Vermisst in Benin 17. September 2021 — Dauer 2 Minuten

* Benin-Bronzen: Bei ihnen handelt es sich um Skulpturen aus dem historischen Königreich Benin im heutigen Nigeria. Die kunstvollen Messinggüsse sind von britischen Kolonialtruppen Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge einer sogenannten ,Strafexpedition‘ in Benin City geplündert und nach Großbritannien gebracht worden. Die fünf Bronzen im Mittelpunkt von Ogbohs künstlerischer Intervention kamen zwischen 1899 und 1904 an das Dresdner Haus. Sie wurden mit Finanzmitteln des bekannten sächsischen Mäzens Arthur Baessler (1857–1907) beim britischen Ethnographica-Händler William D. Webster (1868–1913) in London erworben.

Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Emeka Ogboh: Ich habe Grafikdesign studiert und habe vor meiner jetzigen Karriere als Künstler freiberuflich in der Werbebranche gearbeitet. Daher bin ich mit der Macht von Medieninterventionen im öffentlichen Raum vertraut. Ich war der Ansicht, dass man mit Plakaten die deutsche Öffentlichkeit wirksam und nachhaltig erreichen könnte, was den aktuell laufenden Reparationsdialog angeht.

Was war die spezifische Intention dieser im öffentlichen Raum durchgeführten Aktion?

Es ging mir darum, das Narrativ bezüglich der Reparation der Benin-Artefakte, die sich zurzeit im Besitz des Museums für Völkerkunde Dresden befinden, zu beflügeln und zu beschleunigen. Ich bin der Ansicht, dass der Reparationsdialog bislang ineffektiv geblieben ist und sein Ziel, die Kunstobjekte an ihre ursprüngliche Heimat in Benin, Nigeria, zurückgeben zu lassen, verfehlt hat. Die Intervention entstand aus einem Gefühl der Ungeduld heraus und sollte folglich die Dringlichkeit und Ernsthaftigkeit einer öffentlichen Bekanntmachung haben.

Wie war die Reaktion darauf?

Aus dem Feedback, das wir bekommen, geht hervor, dass jetzt mehr Menschen in Dresden über die Geschichte der Benin-Bronzen Bescheid wissen als zuvor. Dass einige von ihnen den Wunsch geäußert haben, ein Poster zu erwerben, lässt darauf schließen, dass die Aktion gut angekommen ist. An Zugkraft gewonnen hat die Plakatkampagne auch online in den sozialen Medien, was ihre Verbreitung und Reichweite gesteigert und mehr Leute in die Diskussion einbezogen hat.

Mehr zur Aktion unter

www.vermisstinbenin.de

Interview: Carolin Baer

Emeka Ogboh, Vermisst in Benin, 2021