Sie hing in Kirchen und Galerien, hat in Schächten, Kellern und anderen Verstecken Kriege überstanden und ist sowohl mit Kutschen als auch LKWs und mit dem Zug gereist, insgesamt um die 5500 km. Die Geschichte dieses Bildes handelt von Verschleiß und Reparatur, von Glanz und Gloria, von Mönchen, Agenten, Fürsten und Königen.

Ein Bild für die Bruderschaft (1524 - 1612)

Entstehungskontext der Madonna des heiligen Sebastian

Herzogtum Ferrara Modena und Reggio

Um 1500 besteht das heutige Italien aus einer Vielzahl von Kleinstaaten. Einer davon ist das Herzogtum Ferrara, Modena und Reggio.

 

Etwa 10 km von der Stadt Reggio entfernt befindet sich der Ort Correggio. Hier wird um 1489 der Maler Antonio Allegri geboren, der heute kurz “Correggio” genannt wird.

 

Er wird die gesamten etwa 45 Jahre seines Lebens in einem Umkreis von etwa 50km um seine Geburtsstadt verbringen.

Alfonso I d'Este

Das Herzogtum Ferrara, Modena und Reggio wird vom Haus Este regiert. An dessen Spitze steht für die Schaffenszeit Correggios Alfonso I. d'Este, der das Herzogtum in eine kulturelle Blütezeit führt und auch militärisch sehr erfolgreich ist.

Infolge der Pest-Pandemien des 13. Jahr­hunderts war an vielen Orten ein Kult um den heiligen Sebastian entstanden. Denn seine Anrufung soll im 7. Jahrhundert die so­genannte Justinian­ische Pest im Oström­ischen Reich zu einem Ende geführt haben.

 

Auch in Modena hatte sich eine Bruder­schaft des heiligen Sebastian formiert, die nun Anfang des 16. Jahr­hunderts ein Andachts­bild benötigt. Der genaue Ort, an dem es aufgehangen wird, ist nicht gewiss, es könnte sich aber um eine Kapelle im Dom von Modena gehandelt haben. Den Auftrag erhält Correggio, der das Bild 1524 vollendet.

Personal auf dem Gemälde

Schon früh wird das Bild durch andere Künstler kopiert. Ihre Nachbildungen sind aber nicht nur Zeugnis der Verehrung, sondern dokumentieren für uns heute auch Veränderungen, die in der Vergangenheit am Bild vorgenommen worden sind.

Bertelli Stich

Die früheste bekannte Kopie des Gemäldes wird zwischen 1526 und 1580 durch Cristofano Bertelli gefertigt. Da er die Druckplatte nach seiner Anschauung des Gemäldes radiert, die dann im Druck­verfahren wiederum gewendet aufs Papier gepresst wird, zeigt seine Grafik das Bild gespiegelt.

 

Für die Restaurierung ist Bertellis Druck eine maß­gebliche Quelle, die wert­volle Rück­schlüsse über den ursprüng­lichen Zustand des Gemäldes zulässt.

Denn schon 50 Jahre nach Fertigstellung der Madonna des heiligen Sebastian wird darauf hingewiesen, dass der Zustand des Gemäldes schlecht und ungepflegt sei. 

1611 erfolgt deshalb ein erster restauratorischer Eingriff.

In die Sonne

Mit der Restaurierung wird Ercole dell'Abate beauftragt. Er holt das Bild aus dem kühlen und eher dunklen Kirchengebäude heraus und stellt es in die Sonne, um "durch die Wärme die Farben auszuebnen”, wie ein früher Kommentar schreibt.

 

Das führt sehr wahrscheinlich dazu, dass sich die Pappelholzbretter verziehen und sich die Leinwandstreifen an ihren Fugen lösen. Dell'Abates Eingriff dürfte deshalb mehr Schaden angerichtet haben als er reparierte

 

Die Fugen sind auch in der Folge die Bereiche, an denen die größten Schäden auftreten und die meisten Reparaturen vorgenommen werden.

Ein Bild für den Fürsten (1612 - 1742)

Die Madonna des heiligen Sebastian in der Sammlung des Hauses Este

modena, accademia

Modena wird Fürstensitz

Nachdem das Herzogtum Ferrara, Modena und Reggio im Jahre 1598 die Gebiete um Ferrara an den Kirchenstaat hatte abtreten müssen, ist Modena zur Hauptstadt des Herzogtums und zum Sitz des Hauses Este geworden.

Francesco I und der alte Glanz des Herzogtums

Ab 1629 herrscht Francesco I. d'Este über das Herzogtum. Er baut die Hauptstadt Modena zu einem kulturellen Zentrum aus und lässt dort einen Palast errichten. 

 

In diesem beherbergen die Este alsbald eine der spektakulärsten Kunstsammlungen der Zeit.

Santa Maria della Pomposa

1657 lässt er Correggios Gemälde an seinen Hof überführen. Im Austausch gibt er der Bruderschaft eine Kopie des Gemäldes von Jean Boulanger, das heute in der Kirche Santa Maria della Pomposa in Modena hängt.

Boulangers Kopie weicht von Correggios Original ab. So fehlt etwa der Pfeil in Sebastians Hüfte und zwei der Engelsköpfe sind ebenfalls verschwunden

 

Solche Veränderungen lassen sich über die Geschichte des Bildes anhand dieser und anderer Reproduktionen nachvollziehen.

Erneute Restaurierung

Francesco I. verstirbt ein Jahr, nachdem das Gemälde in seinen Besitz übergegangen ist, an einer schweren Krankheit. Sein Sohn Alfonso erbt das Herzogtum mitsamt der umfangreichen Kunstsammlung und lässt die Madonna des heiligen Sebastian erneut restaurieren

 

Den Auftrag erhält diesmal der Maler Flaminio Torri, dem Alfonso IV. auch die Leitung über die Kunstsammlung überträgt.

Um 1700 werden die italienischen Fürstentümer zunehmend Kriegsschauplatz für die europäischen Großmächte Spanien, Frankreich und Österreich.

Auch das Herzogtum Modena und Reggio, inzwischen von Francesco III. regiert, ist in die Kämpfe verwickelt und gerät in der Folge in finanzielle Nöte. 1742 wird im Zuge des österreichischen Erbfolgekriegs schließlich Modena besetzt.

Francesco III. flieht nach Venedig und muss seine Kunstsammlung in Modena zurücklassen.

Ein Bild für August (1742 - 1756)

Die Madonna des heiligen Sebastian kommt nach Dresden

Mitte des 18. Jahrhunderts befindet sich das Haus Este in misslicher Lage. Seine Territorien sind besetzt, die Familie ist nach Venedig geflohen und ihre finanzielle Not so groß, dass auch Unerwägbares in Erwägung gezogen werden muss. So kommen zunehmend Überlegungen auf, auch Teile der Kunstsammlung zu veräußern.

Da die Besatzer die Verwaltungsämter in Modena nicht neu besetzen, verbleibt das Personal Francescos III. weitgehend im Amt. So kann es dem getreuen Schlossverwalter Toretti trotz Besatzung gelingen, das Allerheiligste der Familie sicherzustellen.

Verstecke im Palazzo Ducale und im Kloster

Ein Teil der Kunstsammlung wird im Palazzo Ducale versteckt und ein weiterer im damaligen Salesianerinnen-Kloster. Manches wird eingemauert und die Handwerker und allzu geschwätzige Nonnen in andere Städte geschickt. Die Verstecke unterliegen strengster Geheimhaltung.

modena, accademia

August 3

Zeitgleich bemüht sich ein anderer europäischer Fürst darum, die Kunstsammlung seines Hauses umfangreich auszubauen. Zwar ist er ebenso von Kriegen geplagt, doch die starke Wirtschaft seines Reiches scheint ihm allen Widrigkeiten zum Trotz geradezu unerschöpfliche Mittel zur Verfügung zu stellen: August III., Sohn Augusts des Starken, König von Polen und Kurfürst von Sachsen.

Auftritt Bonventura Rossi

Er beauftragt Agenten, in Italien Erwerbungen für ihn zu tätigen. Zu ihnen gehört Bonventura Rossi, Bruder des sächsischen Hofmalers Lorenzo Rossi, der unter falschem Namen durch die italienischen Gebiete reist und sehr erfolgreich Gemälde für den sächsischen Hof erwirbt. 

 

1744 erhält er den streng geheimen Auftrag, die modenesische Galerie anzukaufen. Was folgt, wird als womöglich größter Kunstcoup des 18. Jahrhunderts in die Geschichte eingehen.

100 000 Zechinen

Nachdem Rossi, der “in falschen Kleidern und maskiert” auftritt, die versteckten Bilder in Modena besehen hat, wird schließlich 1745 ein Vertrag auf den Weg gebracht. 100 Werke aus der Sammlung der Este werden zum Preis von 100.000 Zecchinen gekauft. Der reine Goldwert dieser Summe läge heute bei etwa 42.000.000€. 

 

Zu den Attraktionen des Handels gehört der Zinsgroschen (um 1516) von Tizian.

Unter den gekauften Bildern sind Gemälde von Antonis van Dyck, Peter Paul Rubens, Diego Velázquez, Parmigianino, Paolo Veronese, Leonardo da Vinci (später allerdings als ein Gemälde Hans Holbeins d. Jüngeren identifiziert), Tizian, Annibale Caracci und diversen weiteren, vor allem italienischen Malern. Außerdem gehören dazu fünf Bilder, die Correggio zugeschrieben werden. Eines davon ist die Madonna des heiligen Sebastian.

Weg nach Dresden

Ein solcher Handel geht natürlich nicht ohne Schwierigkeiten über die Bühne. Doch Ende des Sommers 1745 gelingt es Rossi, die Bilder in sein Anwesen in Padua bringen zu lassen. Von dort aus werden sie 1746 schließlich und endlich auf den Weg nach Dresden gebracht. In fünf eigens dafür angefertigten Wagen von 6,85 m Breite und 10,30 m Länge werden sie über die Alpen transportiert.

 

Die genaue Route ist nicht überliefert, aber ein weiterer Kunsttransport führt drei Jahre später die Sixtinische Madonna über Venedig, Bozen, Innsbruck, Augsburg, Nürnberg und Leipzig nach Dresden, weil dieser als der “ebenste” Weg angesehen wird. Es ist anzunehmen, dass auch Rossi diese Route eingeschlagen hat.

Nach seiner Ankunft werden die Bilder ins königliche Stallgebäude (heute Johanneum) gehängt, das August III. zum Präsentationsort seiner rasant wachsenden Gemäldegalerie umgestaltet. 

Mit den Neuerwerbungen aus Modena und kurz darauf Raffaels Sixtinischer Madonna steigt die sächsische Gemäldesammlung in die europäische Spitzenklasse auf.

Der lange Transport in die sächsische Hauptstadt führt zu weiteren Schäden an Correggios Madonna des heiligen Sebastian, sodass eine weitere Restaurierung in Auftrag gegeben wird. Ihr Erfolg ist allerdings umstritten.

Man hatte die Lücken ausgefüllt, die Sprünge mit breiten Streifen in Ölfarbe übermalt und die Glorie mit brauner Farbe überstrichen, vielleicht weil man zu jener Zeit mehr die braunen als die lichten Bilder liebte, oder weil die ungeschickten Restauratoren auf keine andere Weise die Beschädigungen zu verbergen wussten. [...] Diese Übermalung war, da das Öl sich nicht mit der darunterliegenden Malerei verbinden und von dieser aufgenommen werden konnte, sehr nachgedunkelt. …

— Johann Gottlob von Quandt (1787 - 1859), Sächsischer Kunsthistoriker, Mäzen und (u. A.) Leiter der Abteilung Malerei und Plastik im Sächsischen Altertumsverein

Das Bild in der sächsischen Sammlung (1756-1938)

Die Madonna des heiligen Sebastian in Dresden und Königstein

1756, nur wenige Jahre nachdem die Madonna des heiligen Sebastian nach Dresden kommt, übertreten preußische Truppen die sächsische Grenze. Der Siebenjährige Krieg beginnt. 

Die sächsischen Truppen sammeln sich in Pirna, wo sie vom weit überlegenen preußischen Heer eingekesselt werden. 

Siebenjähriger Krieg

Festung Königstein

Nach fünfmonatiger Belagerung wird eine Kapitulationsurkunde unterzeichnet. Die Festung Königstein, in die sich August III. zurückgezogen hat, wird im Zuge der Kapitulation als neutrales Gebiet festgeschrieben.

Im September 1759 wird auch die Madonna des heiligen Sebastian gemeinsam mit anderen Werken auf die Festung Königstein gebracht, denn in Dresden lässt der preußische König in Vorbereitung auf die Konfrontation mit dem österreichischen Heer Teile der Stadt niederbrennen. Als die Österreicher Dresden schließlich kontrollieren, beschießen die Preußen 1760 das Stadtgebiet mit verheerenden Konsequenzen.

Das Galeriegebäude bleibt verschont. Schon 1763 kehren die Werke zurück. Doch auch in Zeiten des Friedens muss Kunst betreut werden. Der Zustand des Andachtsbildes hat unter den klimatischen Bedingungen auf der Festung Königstein gelitten.

Von diesem Gemälde haben sich wie bekannt, die Bretter verzogen, es sind natürlich Risse entstanden, und dadurch ist die darüber gelegene Decke von Grund und Farbe hohl geworden, dieses Unglück trifft mehrere schöne Stellen, unter anderen einen Kindskopf, was soll man hier tun? Nimmt man die hohlgewordene Farbe, nach der Manier des jetzigen Reparateurs weg, so ist eine nicht zu ersetzender Schade geschehen, was wäre wohl eingebildet genug, dieses Wunderwerk der Malerei so wiedergeben zu wollen? …“

 

— Johann Joseph Schweigart (1789 - 18??), Unterinspektor der Dresdner Gemäldegalerie und Mitverfasser von mehreren Galeriekatalogen im frühen 19. Jahrhundert

Semperbau

Der sächsische König Friedrich August II. beauftragt in den 1840er Jahren den berühmten Architekten Gottfried Semper mit dem Bau eines neuen Galeriegebäudes. Erst 1855 wird der heute als Sempergalerie bekannte Ausbau des Zwingers eröffnet.

Das Bild im Schacht (1938 - 1955)

Die Madonna des heiligen Sebastian im Zweiten Weltkrieg und in der UdSSR

90 Jahre lang verbleibt das Gemälde in der Sempergalerie, nur für regelmäßige Restaurierungsarbeiten wird es aus der Präsentation entnommen – bis der Zweite Weltkrieg beginnt.

Schließung GAM

1938 werden die Bilder der Gemäldegalerie ein erstes Mal abgehangen. Aus Befürchtungen über eine militärische Reaktion auf die sogenannte Sudetenkrise sichert man sie im Keller und an Innenwänden des Zwingers. 

 

Zwar kehren sie wenig später zurück in die Galerie, doch vor dem Überfall auf Polen im September 1939 werden sie erneut abgenommen und gesichert. Es wird diesmal länger dauern, bis die Madonna des heiligen Sebastian zurückkehrt.

Depots im Umland und in Radmeritz

Die Bilder werden schließlich in verschiedene Depots im Umland ausgelagert. Das umfangreichste von ihnen befindet sich 1942 auf der Albrechtsburg in Meißen ("Bergungsort S").

 

Correggios Madonnenbild wird mit 156 weiteren Großformaten südlich von Görlitz in Radmeritz, heute Radomierzyce, im Schloss des Stifts Joachimstein ("Bergungsort J") untergebracht.

Akte zur Umlagerung ins Stift Joachimstein

Lohmgrund

Als 1943 die Offensive der Wehrmacht im Osten zum Erliegen kommt und die Rote Armee im Zuge der sogenannten “Sommeroffensive” vorrückt, wird mit der Erschließung eines neuen Verstecks begonnen. Das Depot in Radmeritz ist der Front am nächsten und wird im Herbst 1944 geräumt.

 

Ein Eisenbahntunnel im Lohmgrund südlich von Pirna wird zum neuen Aufbewahrungsort ("Bergungsort T"). Zum Ende des Krieges lagern hier 380 Bilder, zu denen neben der Madonna des heiligen Sebastian auch Raffaels Sixtinische Madonna gehört.

Nach der Kapitulation des Deutschen Reichs suchen Spezialeinheiten der Roten Armee nach den Gemälden der Dresdner Sammlung. Die sogenannten Trophäenbrigaden sollen deutsches Kulturgut bergen, um damit sowjetische Kriegsverluste zu kompensieren.

Im Mai 1945 stellen sie die Bilder aus dem Rottwerndorfer Tunnel sicher. Sie kommen zunächst ins Schloss Pillnitz, wo die Trophäenbrigaden ihre Funde sammeln und sondieren.

Puschkinmuseum

Von dort wird die Madonna des heiligen Sebastian per Eisenbahn als eines der 600 wichtigsten Gemälde nach Moskau gebracht, wo es am 10. August ankommt. Es wird in den Bestand des Puschkin-Museum aufgenommen und im Depot eingelagert.

Das Bild kehrt zurück (1955 - heute)

Die Madonna des heiligen Sebastian in der Gemäldegalerie Alte Meister

Nach dem Krieg befindet sich die UdSSR im Wettstreit der Systeme mit den USA. Erbeutete Kunstgegenstände werden auf beiden Seiten zum Gegenstand politischer Manöver. Für zehn Jahre hält die Sowjetunion die Dresdner Bilder in den Depots ihrer Museen versteckt.

Dresden gehört zum sowjetischen Bruderstaat DDR, dessen Souveränität die UdSSR 1954 offiziell anerkennt. Das geteilte Deutschland wird im Kalten Krieg zu einem der Hauptschauplätze des ideologischen Kampfes.

Beschluss zur Rückführung

Nachdem der Verbleib der Bilder unter Stalin über Jahre unter Verschluss gehalten wurde und in der DDR kaum angesprochen werden durfte, etabliert sich in der UdSSR nach Stalins Tod das Narrativ einer Rettung der Dresdner Kunstschätze.

 

Und da die Ostdeutschen nun Brudervolk der Sowjetunion geworden sind, kann der Große Bruder sie dem kleinen Bruder in einer öffentlichkeitswirksamen Geste der Besiegelung ihrer Gesinnungsverwandtschaft zurückgeben. Im Frühjahr 1955 wird die Rückführung angekündigt. Die Madonna des heiligen Sebastian bleibt in der Familie.

Ausstellung im Puschkin-Museum

Zuvor werden sie jedoch in einer großen Schau im Puschkin-Museum dem Moskauer Publikum präsentiert. Die Ausstellung der Dresdner Gemälde, von deren Vorhandensein in Moskau zuvor kaum jemand hatte wissen können, lockte in 5 Monaten 1,2 Millionen Besucherinnen und Besucher.

Im sowjetischen Gemäldepass wird der Zustand der Madonna des heiligen Sebastian 1955 als “befriedigend” beschrieben. Das Bild bedürfe allerdings ständiger weiterer Beobachtung. Restauratorische Engriffe werden ebenfalls erläutert – etwa dass Loslösungen, die 1952 aufgetreten waren, mit Störfischleim befestigt worden sind.

Rückgabe Gemälde

Im Oktober 1955 wird die Madonna des heiligen Sebastian mit 1239 weiteren Gemälden in Moskau in Kisten verpackt und auf Laster geladen, um sie in die DDR zurückzubringen. 

 

Berlin

Die Bilder kommen allerdings nicht direkt nach Dresden. Zunächst werden sie in einer gefeierten Ausstellung in der Nationalgalerie Berlin gezeigt.

Sempergalerie

Im Mai 1956 kehren die Werke schließlich nach Dresden zurück. Die Madonna des heiligen Sebastian kommt in der frisch wiederauf­gebauten Osthalle der Semper­galerie unter, in der sich heute die Antiken­sammlung befindet. Die Westhalle ist zu diesem Zeit­punkt noch im Bau und wird erst 4 Jahre später eröffnet.

Rundfunkarchiv Filme

Beginn der Restaurierung

2022 beginnen die Staatlichen Kunst­sammlungen Dresden mit einer erneuten Restaurierung. Der Prozess wird in einem Schau-Atelier in der Gemälde­galerie Alte Meister der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Restaurierungs­geschichte des Bildes wird im Zuge dessen umfangreich erforscht. Über zwölf restauratorische Eingriffe hat das Gemälde zu diesem Zeitpunkt hinter sich

Um das Bild so nahe wie möglich an seinen ursprünglichen Zustand heranzuführen, wird ein Großteil der vorausgehenden Eingriffe auf Basis der Forschungsergebnisse revidiert. Im Juni 2024 findet sich kaum mehr Substanz am Gemälde, die nicht von Correggio selbst stammt.

Neubefüllung der Lücken der Revision

Bei der fachgerechten Schließung der entfernten Bildbereiche wird insbesondere Cristofano Bertellis Grafik aus dem 16. Jahrhundert zur maßgeblichen Grundlage.

Steffi bei der Retusche

Ende 2025 werden die Arbeiten am Bild abgeschlossen.

Ueberblendungen Zustaende Restaurierung

Seit 18. 09. 2026 ist es in der Ausstellung „Correggio. Berührend menschlich“ zu sehen. Anschließend wird die Madonna des heiligen Sebastian in die Dauerausstellung der Gemäldegalerie Alte Meister zurückkehren.

Zeitüberschreitung

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